Nachfolgestaaten Jugoslawiens:
Auf dem Weg in die Europaische
Union?
Joachim Volz
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Nina Labovic
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Die Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawiens haben in den vergangenen Jah-
ren beachtliche okonomische Erfolge erzielt. Die Wachstumsraten lagen zumeist
bei 5 bis 6 Prozent jahrlich, die Arbeitslosigkeit konnte deutlich reduziert und
die Inflation stark eingedammt werden. Der Rückstand in der Wirtschaftlichen
Leistungsfahigkeit gegenüber der EU ist aber immer noch enorm. Engere wirt-
schaftliche Beziehungen untereinander und eine bessere Zusammenarbeit mit der
Europaischen Union setzen eine Losung der nach wie vor gravierenden politischen
Probleme voraus. Dazu gehoren nicht nur die Kriegsfolgeprobleme zwischen den
Staaten, sondern beispielsweise auch der Mangel an gegenseitiger Akzeptanz für
eine Losung des Kosovo-Konflikts und die kaum funktionierende Koordination der
Politik zwischen den staatlichen Einheiten innerhalb von Bosnien und Herzego-
wina. Wegen der starken Verflechtung der okonomischen und politischen Fragen
scheint langfristig am ehesten eine „Paketlosung“ vorstellbar, die allen diesen Lan-
dern eine „europaische“ Zukunft, die konkrete Perspektive eines EU-Beitritts bie-
tet. Ebenso wie schon in Teilen der gegenwartigen EU würden regionale Probleme
durch die europaische „Klammer“ gemildert und die wirtschaftliche Entwicklung
gefordert. Die Fragmentation des alten Balkan kann politisch und okonomisch nur
durch die Integration in der Europaischen Union entscharft werden.
In den 90er Jahren ist das ehemalige Jugoslawien im Zuge einer Reihe kriegerischer
Auseinandersetzungen auseinander gebrochen. Im vorliegenden Bericht werden
Grundzüge der wirtschaftlichen Entwicklung in den Nachfolgestaaten des ehe-
maligen Jugoslawiens (NEJ),1 Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Mazedonien,
Montenegro und Serbien beschrieben. Diese Lander streben mittel- bis Iangerfristig
eine Mitgliedschaft in der Europaischen Union an.2
Nach einem zunachst zôgerlichen Engagement Europas für die Staaten des früheren
Jugoslawien hat sich seit dem Kosovokrieg die Einstellung gewandelt. Dies hat zur
1 Slowenien, das schon aufgrund seiner geografischen Lage und seines historischen Hintergrunds privilegiert
war, hatte bereits im ehemaligen Jugoslawien ein okonomisch hohes Niveau erreicht. Dem Land gelang es daher
in kurzer Zeit, sowohl Mitglied der Europaischen Gemeinschaft als auch des Euroraumes zu werden. Damit kann es
kaum noch zu den besonders problembeladenen Landern des Balkans gezahlt werden.
2 Wegen des Auseinanderbrechens des früheren Jugoslawiens in mehrere Staaten und der in den Folgejahren
oft unzureichenden oder ganz ausgebliebenen statistischen Erfassung sind viele Daten für einige Jahre gar
nicht vorhanden oder zwischen den Nachfolgestaaten - vor allem vor 2002 - allenfalls sehr grob vergleichbar.
Auch differieren teilweise die Daten nationaler und internationaler Institutionen erheblich. Dennoch werden die
grundlegenden Unterschiede sichtbar. Bis Sommer 2006 waren Serbien und Montenegro noch ein Staat.
Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 50/2007
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