Langfristige Wachstumsaussichten der ukrainischen Wirtschaft : Potenziale und Barrieren



Langfristige Wachstumsaussichten der ukrainischen Wirtschaft

B.2 Langfristige Perspektive: Die Wachstumsfaktoren

B.2.1 Investitionen

Künftiges Wachstum impliziert zunachst mehr Investitionen. Langfristiges Wachstum
hangt aber auch von anderen Faktoren ab wie der Ausstattung mit Humankapital und
technologischem Wissen aber auch der Qualitat und Struktur der Investitionen selbst,
insbesondere davon, ob die Investitionen die Produktivitat erhohen.
18 In der Ukraine
lag die Investitionsquote bis 2006 deutlich unterhalb des Niveaus in den GUS-Staaten
(und auch der neuen EU-Mitgliedstaaten
19) bei rund 22% des BIP (Tabelle 2). In den
Jahren 2006 bis 2008 stieg sie dann deutlich auf 28,5% in 2008.
20

Angesichts des veralteten Kapitalstocks in der Ukraine liegt die Investitionsquote
über dem gesamten Zeitraum 2000 bis 2008 unterhalb dessen, was für ein dauerhaft
aufholendes Wachstum erforderlich ist. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, struktu-
relle Investitionsbarrieren zu reduzieren bzw. abzubauen und insbesondere die Investi-
tionseffizienz zu erhohen. Wie unten gezeigt, bewegen sich auch die auslandischen Di-
rektinvestitionen pro Kopf betrachtet, weit unterhalb des Niveaus anderer Transformati-
onslander in Mittel- und Osteuropa. Sie erreichen in der Ukraine 2008 lediglich 3,3%
der Gesamtinvestitionen.

Tabelle 2:                Bruttoanlageinvestitionen, % des BIP

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

Ukraine

21,8

20,2

22,0

21,2

22,6

24,8

28,2

28,5

Weiβrussland

24,4

23,2

25,3

29,5

26,5

33,5

35,9

35,8

Russland

21,9

20,1

20,8

20,9

20,1

21,4

24,3

25,5

GUS-Durchschnitt*

22,4

22,7

25,0

26,6

26,7

26,2

28,4

27,0

*Armenien, Aserbaidschan, Weiβrussland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien, Russland, Tadschikistan,
Usbekistan.

Quelle: IWF.

Bei der Hohe der zukünftigen Investitionstatigkeit müssen die Auswirkungen der
weltweiten Finanzkrise berücksichtigt werden. Wie erwahnt, wurde in der Vergangen-
heit ein wesentlicher Teil der Investitionen durch Kredite oder direkt aus dem Ausland
finanziert. Dieser Einkauf von Technologie war in den meisten osteuropaischen Lan-
dern die dominante Entwicklungsstrategie. Der kreditfinanzierte Technologieeinkauf
sollte sich in absehbarer Zeit durch verstarkte Exporte finanzieren. In der Finanzkrise
führte diese Strategie auch in der Ukraine zu erheblichen Stabilitatsproblemen. Eine
plotzliche Umkehr der Kapitalstrome führte zum Teufelskreis von Abwertungsdruck

18 Vgl. zur Analyse des Wachstumsprozesses in Osteuropa Dobrinski, Hesse, Traeger, (2006).

19 Nach Berechnungen der UNECE lag zwischen 2001 und 2004 die Investitionsquote in der Ukraine mit
15,8% des BIP um rund sechs Prozentpunkte unterhalb des Durchschnitts der neuen EU-Mitglieder und
Westbalkanlander.

20 Im Zuge der Finanzkrise sank die Investitionsquote nach Angaben des Statistischen Komitees der Uk-
raine in den beiden ersten Quartalen 2009 auf unter 17% des BIP.



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